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Private Krankenversicherung: Vorsicht beim Wechsel von der gesetzlichen Krankenversicherung

Zur Lage der Krankenversicherung in Deutschland ist festzustellen, dass die Ärzte bei gleicher Situation mit Privatpatienten drei bis zwanzigmal so viel Umsatz machen können wie mit gesetzlich Versicherten. Dies liegt an ausführlicheren Untersuchungen zur Diagnose sowie an höheren Honorarsätzen. Bei Privatpatienten wird jede Tätigkeit separat abgerechnet, wogegen bei gesetzlich Versicherten Pauschalen zum Ansatz kommen. Dies geht soweit, dass der Arzt pro Quartal (3 Monate) nur eine Pauschale für die Behandlung von gesetzlich Versicherten erhält, egal wie oft der Patient im Quartal zu ihm kommt.

Da Ärzte auch Kaufleute sind, konzentrieren sich die qualifizierten und erfahrenen Spezialisten gerne auf Privatpatienten. Es gibt immer mehr Ärzte, die nur noch privat Versicherten behandeln, und Kliniken, die ausschließlich Privatpatienten aufnehmen. Dort wird aufgrund der enormen Honorarunterschiede zu den Ärzten und Kliniken für gesetzlich Versicherte ein besserer Service angeboten. Meist finden sich bei den ausschließlich für die Privatpatienten arbeitenden Ärzte und Kliniken die besten Spezialisten für die Bereiche Augen-, Zahn-, Orthopädie-, Dermatologie- (Hauterkrankungen), Naturheilkunde sowie Radiologie. Auch Reha-Kliniken unterscheiden sich im Service je nach Zielgruppe, gesetzlich oder privat.

In Deutschland gibt es etwa 15 % privat Versicherte. Dies sind in der Summe mehr als 10 Mio. Patienten. Ein großer Markt, der von der Personenanzahl zwar nicht steigt, aber für die Ärzte hoch attraktiv ist.

Als Angestellter in Deutschland ist man zunächst verpflichtet, sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Erst mit einem mehrjährigen Durchschnittseinkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze hat man die Möglichkeit, zu einer privaten Krankenversicherung zu wechseln. Das dauerhafte Einkommen für einen Wechsel liegt oberhalb von 60.000 € im Jahr.

Während der Beitrag für die gesetzlichen Krankenkassen nach dem Einkommen berechnet wird, unabhängig von der Größe der Familie, ergibt sich der Beitrag für eine private Krankenversicherung aus der Summe der Beiträge für jede versicherte Person. Bei der gesetzlichen Krankenkasse zahlt ein Single bei gleichen Einkommen denselben  Beitrag wie eine Familie mit 4 Kindern. Bei der privaten Krankenversicherung wird jedes Mitglied der Familie – sofern nicht selbst gesetzlich versichert – einzeln berechnet, also bei einer Familie mit 4 Kindern aus der Summe von 6 Einzelbeiträgen.

Vorteile des einen Systems sin die Nachteile des andere. Daher genügt es, die Vorteile der beiden Systeme, gesetzliche und private Krankenversicherung, gegenüber zu stellen:

 

 

 

 

 

 

Vorteile

 

 

 Gesetzlich versichert

 

    Privat versichert

 

Freie Wahl der Ärzte/Spezialisten

 

 

 

 

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Freie Wahl der Klinik

 

 

 

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Umfangreiche Diagnose

 

 

 

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Hohe Servicementalität

 

 

 

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Kurze Wartezeiten

 

 

 

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Beitragskalkulation nach individuellem Risiko

 

 

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Beitragskalkulation nach sozialen Aspekten

 

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Arbeitgeberzuschuss

 

 

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Günstige Beiträge für Single

 

 

 

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Günstige Beiträge für Familien

 

 

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Beitragsstabilität als Rentner

 

 

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Keine Kündigungsmöglichkeit durch den Krankenversicherer

 

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Mit dem günstigeren Beitrag für gut verdienende Single wird in jungen Jahren der versicherten Person gerne geworben. Es kommt nicht selten vor, dass der Beitrag für diesen Personenkreis um Zweidrittel niedriger ist als bei einer Versicherung über eine gesetzliche Krankenkasse. Bei dieser Argumentation ist allerdings Vorsicht geboten, weil sich die Situation im Alter drastisch ändern und von einer Beitragsstabilität als Rentner nicht mehr gesprochen werden kann. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist meist nicht mehr möglich, sodass ein Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung in jungen Jahren wohl überlegt sein sollte.

Tipps:

  • Ein Wechsel von der gesetzliche zu einer privaten Krankenversicherung ist gut zu überlegen, weil im Alter die Beiträge für die private Krankenversicherung – insbesondere bei Familien mit Kindern – überproportional steigen. Die Einkommen im Jahr sollte deutlich über der Versicherungspflichtgrenze liegen und nicht niedriger als 100.000 € für Ledige und 150.000 € für Verheiratete mit ausreichender beruflicher Perspektive sein.

 

  •  Preisvergleiche sind für alle privaten Krankenversicherungen sehr wichtig, weil die Laufzeit der Verträge häufig mehr als 50 Jahre sind. Bei einem Preisunterschied von 10 € im Monat summiert sich die Differenz über 50 Jahre auf 6.000 €.

 

  • Die Provision für den Versicherungsvermittler darf laut gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr als 9 Monatsbeiträge sein. Dieser Betrag ist einmalig zu entrichten und mit Blick auf den Arbeitsaufwand gerechtfertigt.

 

  •  Bei einer Wahl für eine private Kranken-Vollversicherung sollten Selbstbeteiligungen dringend vereinbart werden, weil sie den Beitrag signifikant senken. Eine Selbstbeteiligung im Jahr von etwa 2.000 € ist empfehlenswert.

 

 

 

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